Vorwort von Prof. Neuhold

Die Diskussionen um Asylanten und Asyl sind wieder einmal heftig geworden. Zu oft wird in den Diskussionen um Verteilung der Asylanten im Bundesgebiet und im Jonglieren mit Zahlen vergessen, dass hinter den Zahlen betroffene Menschen stehen – mit Schicksalen, die oft nur schwer nachzuvollziehen sind, vor allem dann, wenn man Kultur und Zustände im Herkunftsland der Asylantinnen und Asylanten nicht kennt.

Jeder wird zugeben, dass die Unterscheidung zwischen berechtigtem Asyl und erschwindeltem Asylstatut nur sehr schwer zu treffen ist, es ist aber sehr problematisch, wenn die Menschen zum Spielball von Behörden werden, die maßlos überfordert sind, die Überforderung mitunter aber nicht durch Menschlichkeit, sondern durch Verschanzen hinter den Gesetzesparagraphen wettmachen. Vor allem ist es das mangelnde Verständnis, das zu Fehlbeurteilungen der Situation führen kann. Dieses Verständnis kann in der Zeit eines Verfahrens meist nicht hergestellt werden, weil von beiden Seiten Barrieren gegen ein schnelles Verständnis errichtet worden sind und werden. Ich würde nicht zu behaupten wagen, dass ich diese Lücke des Verstehens schließen könnte, aber dass daran gearbeitet werden muss, ist mir angesichts der Erfahrungen der Familie von Herrn Dieter Bogg klar. Ich war in Nigeria und kenne das Land ein wenig, aber der vorliegende Bericht zeigt mir, wie wichtig es ist, weiter zu bauen am Verständnis, an der Beschaffung von konkreter Information, am Einfühlungsvermögen in das Leben des konkret vor mir stehenden Menschen, um dem, was im Recht gefordert ist, gerecht werden zu können.

Diese Lücke des Verstehens kann nur durch engagierte Menschen geschlossen werden. Der Bericht über Faith, einen Menschen, der vom Schicksal alles andere als begünstigt ist, zeigt klar, wie „Not-wendig“ stellvertretendes Handeln in solchen Fällen ist. Die Menschlichkeit wird nur durch konkreten Einsatz gefördert, das Recht kann nur durch engagierte Menschen zum gerechten Recht werden. Die Offenheit für christliche Werte kann hier Engagement und Eröffnung von Perspektiven ermöglichen.

Es sind nicht Asylanten, die nach Österreich kommen, sondern Menschen mit einem konkreten Schicksal, mit konkreten Haltungen, Werten und Gebrochenheiten. Die Unterscheidung, was richtig oder falsch ist, stellt sicherlich eine Gratwanderung dar. Schuldzuweisungen sind hier nicht angebracht. Es ist aber unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Menschen auf dieser Gratwanderung nicht abstürzen, dadurch dass wir den Menschen dahinter sehen. Und das ist nicht leicht. Gerade deshalb müssen wir dankbar sein, dass uns der Autor des vorliegenden Berichtes zeigt, dass es trotz aller Widerwärtigkeiten mit Realismus und Leidenschaft möglich ist.

Leopold Neuhold, Univ.Prof für Ethik und Gesellschaftslehre,
Karl-Franzens-Universität Graz