
Faith Kindheit
(Leseprobe)
„Als Kinder spielten wir auf der Straße oder im nahen Busch. Dort wuchsen die 'Cocojams' wild“, erzählt Faith. Das ist eine Knollenpflanze, die auch kultiviert aufgezogen wird. Die Wurzelknolle ist essbar und sehr nahrhaft, aber etwas kleiner als die Jam und kommt in verschiedenen Arten vor. Es gibt Knollen mit weißem, rosa und gelbem Fleisch, wobei Letztere gegen Wurzelfäule widerstandsfähig sind.
„Für uns Buben war es wichtiger, dass sie ein ganz weiches Holz hatte. Mit Messern haben wir daraus Spielzeug gebastelt. Mit den Cocajam-Stacheln hielten wir die einzelnen Teile zusammen. Dieses Spielzeug hat unsere Spielzeit ohnehin nie überdauert, da diese meistens mit einem Kampf und der Zerstörung unseres Spielzeugs endete.”
„Die Jamkartoffeln wachsen überall in den Feldern und sie werden auf hölzernen Trockengerüsten im Freien aufgehängt, ohne sich gegenseitig zu berühren. Darüber ist ein kleines Dach, um die Jams vor Sonne und Regen zu schützen. Dort bleiben sie gute acht Monate hängen. Die meisten Bauern haben diese Trockengerüste im Innenhof aufgestellt, um sie vor Dieben zu schützen, aber einige stehen auch auf den Feldern. Wenn es eine gute Ernte gab, und viele Jams geerntet wurden, dann waren sie für jedermann zur freien Verfügung. Damit wollte man verhindern, dass sie auf den Feldern verrotteten. Die Bauern verwendeten keinen Kunstdünger, sie ließen ihre Felder alle sieben Jahre brach liegen.“
Die Mädchen hatten ihre eigenen Spiele, unter anderem war auch das in Österreich bekannte 'Tempelhupfen' beliebt. Faith ging manchmal mit Freunden zum nahen Teich fischen. Mit einem einfachen Haken und Würmern daran fing er handgroße Fische, die er nach Hause brachte und am Gasherd braten durfte. Faith war glücklich, wenn er bei der Mutter sein konnte. Die Mutter nahm sich Zeit, mit den Kindern zu Hause zu spielen, wobei verschiedene Memory-Spiele bevorzugt wurden. Der Vater hatte dazu keine Zeit.
Faith hatte anfänglich Sprechschwierigkeiten und stotterte viel. Er wurde deshalb auch oft von anderen Kindern verspottet. Seine Mutter kannte eine Frau aus dem Norden, die solche Krankheiten heilen konnte. So wurde ihm erzählt, dass er das in den Einbaumbooten eingedrungene Wasser zu trinken hatte. Jenes abgestandene Wasser, das unter den Trittbrettern in der Mitte des Bootes zu finden war. Faith kann sich nicht daran erinnern, wie es geschmeckt hat. Jedenfalls konnte er nach der Behandlung tatsächlich normal sprechen. Aus welchem Holz diese Einbaumboote waren, kann er nicht sagen. Ob dieses besondere Wirkstoffe hatte, die zur Heilung führten, oder war Zauber dabei?
Mit 5 Jahren, 1979, besuchte Faith die MacDomott Primary School im Wohn-Quarter in Warri. Der Schuldirektor hieß David Omowuwe. Die Klassenzimmer waren groß, etwa 40 Quadratmeter, und je eines für die jeweiligen Altersstufen. Sie saßen in Bänken und verwendeten Schiefertafeln, auf denen sie mit Kreide schreiben lernten. Faith erinnert sich an seine Schwierigkeiten, eine Acht zu zeichnen. Es gelang ihm anfänglich nur ein X zu malen und dieses oben und unten mit einem Halbkreis zu schließen. Die Kinder trugen dunkelblaue Shorts und hellblaue Hemden als Schuluniform. Schuhe mussten sie noch keine tragen.
"Ich verlor immer mein Hemd und kam mit nacktem Oberkörper nach Hause. Ich verwendete es zum Spielen. Wir zogen einander mit dem Hemd über den Schulhof und danach vergaß ich es immer irgendwo. Da ich oder meine Mutter die Hemden nie mehr fanden, musste meine Mutter immer Neue kaufen." .....